taschenbuch - 210 seiten (2007)
verlag edition nova
isbn 3852511550
erzählung, sachbuch
autobiografie, tagebuch
kommentar
Der Klappentext und etliche Passagen auch im Buch würde ich am liebsten umschreiben. Hat diese Mutter die ganze Zeit über nicht mitbekommen, dass Trans* keine Krankheit ist, sondern nur Krankheitswert hat? Dass es tatsächlich Unterstützung und Hilfe gibt, man muss nur darum bitten (zum Beispiel den TransMann e.V., aber auch in zahlreichen anderen Selbsthilfegruppen)? Dass es zwar wenige Ärzte gibt, aber man sicher nicht sich gleich beim erstbesten unters Messer legen sollte? ...
Das Buch ist sicherlich hilfreich für Angehörige von Transmännern, einfach um das weitgehende Fehlen von Kontaktmöglichkeiten oder Selbsthilfegruppen für Angehörige von Trans*-Menschen aufzufangen. Insofern kann ich aus nächster Erfahrung (meine Mutter) nur sagen: Ja, lesenswert!
Lesenswert ist es aber nicht nur für Angehörige, sondern bitte auch für Transmänner selbst: Lest es Euch mal in Ruhe durch, ihr könnt nur daraus lernen! Zum einen ist bei dem beschriebenen Transmann einiges schief gelaufen, zum Teil aus eigenem Verschulden (wer sich vorher nicht ausreichend informiert...), zum Teil war's wirklich Pech. Zum anderen sollte sich jeder Transmann mal in die Gefühlslage seiner nächsten Angehörigen reinfühlen, einfach um mal wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, und vor allem nicht alles egoistisch zu sehen.
Man sollte das Buch aber nicht immer für bare Münze halten, und eine gesunde Distanz zum Erzählten sich bewahren. Der im Buch gott-gleich dargestellte Dr. Schaff (München) ist zwar derzeit sehr gut, aber es gibt auch andere Ärzte, und auch Dr. Schaff geht mal was schief, das liegt in der Natur des Menschlichen. Auch sollte man sich immer vor Augen halten: Sowohl der beschriebene Transmann als auch seine Mutter sind Menschen, machen also ihre Fehler und Fehleinschätzungen. Das, was da erzählt wird, ist definitv kein 1a-Muster für einen gelungenen Transweg.
taschenbuch - 155 seiten (april 2006)
vandenhoeck & ruprecht, göttingen
isbn 3-525-46260-3
fachbuch
psychologie, therapie, begutachtung
kommentar
Endlich mal ein Buch über Therapie und Begutachtung, welches bereits im Klappentext klar sagt, dass “Transsexualität keine psychische Krankheit ist, sondern das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit umfasst.” Oder anders herum: Transsexuelle sind vielfach eigentlich psychisch gesunde Menschen, die halt das “eine Problem” haben, aber es gibt auch Transsexuelle, die tatsächlich auch andere psychische Krankheiten haben, die zuerst angegangen werden müssen. Ein Zusammenhang zwischen Transsexualität und psychischen Krankheiten gibt es nicht. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch, und stellt damit eine kleine Revolution in der bisherigen Fachliteratur dar: Bislang wurde Transsexualität eher als etwas Pathologisches angesehen, die Transsexuellen daher fast durchgehend mit “Patienten” betitelt. Bei Udo Rauchfleisch wird von “Klienten” gesprochen; die Therapie hat zum Ziel, während der - auch für psychisch gesunde Menschen - schwierigen Zeit des Rollenwechsels eine Unterstützung zu bieten.
Das eigentlich für Fachleute geschriebene Buch, kann ganz gut auch von Laien gelesen werden, da weitgehend auf Fachbegriffe verzichtet wird. Es wird nicht um den heißen Brei herumgeredet - der Autor stellt seine Thesen klar und deutlich dar, begründet diese aber auch nachvollziehbar.
Zum Autor: Prof. Udo Rauchfleisch ist niedergelassener Psychoanalaytiker und lehrt Klinische Psychologie an der Uni Basel. Er kennt aus seiner beruflichen Praxis seit Jahren Transsexuelle.
Mein persönliches Fazit: Auch wenn ich schon etliche andere Bücher zum Thema gelesen habe - zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass der Autor tatsächlich sich als Gesprächspartner von Transsexuellen sieht, nicht als Bevormunder, Wegtherapierer oder “ich weiß es besser”-Mensch. Ganz besonders gefreut hat mich das - kurze - Kapitel über die Rolle von Selbsthilfegruppen: Es bestätigt, dass die Arbeit von SHGs tatsächlich ein wichtiger - zeitweise der wichtigste - Faktor während des Rollenwechsels ist, und dass daher der regelmäßigeBesuch einer SHG zum Rollenwechsel dazugehören sollte. Insgesamt wurden viele Punkte angesprochen, die ich zum Teil sogar sofort in meine Vereinsarbeit integrieren konnte. Lesenswert!!!
(juli 2006)
verlag uni-med, bremen.
isbn 3895998885
mit beiträgen von Günter K. Stalla, Sabine Maria Augstein, Friedemann Pfäfflich, Jürgen Schaff, Christiane Spehr u.v.a.
sachbuch
kommentar
Professor Stalla – eine der führenden Kapazitäten bei der hormonellen Behandlung von Transsexuellen – hat ein längst schon überfälliges Buch herausgegeben: Ein Überblick über den gesamten derzeitigen Wissensstand bezüglich Transsexualität. Hierzu hat er Experten aus allen Fachrichtungen (Jura, Psychologie, Medizin) als Autoren ins Boot geholt, sowie einige Artikel selbst geschrieben.
Die geschichtliche und epidemologische Zusammenfassung zu Beginn des Buches bringt leider keine wirklich neuen Erkenntnisse, sondern greift besonders bei den Daten zur Häufigkeit von TS auf relativ alte Statistiken zurück.
Es folgen zum Teil sehr gute Artikel zu psychologischen, juristischen und medizinischen Fragen. Besonders zu erwähnen sind Beiträge, die man sonst selten findet: Therapie von Paaren, von denen eine/r transsexuell ist; Coming Out in der Familie und am Arbeitsplatz, Kostenübernahmepflicht der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, Behandlung von Haarausfall bei Transsexuellen beider Richtungen, Operationen zur Stimmlagenänderung bei Transfrauen; psychologische Langzeiterfahrungen und „Rückkehrer“. Besonders die Beiträge zu den Operationen weisen viele schematische Zeichnungen sowie Farbbilder auf. Bei dem einen oder anderen Artikel fragt man sich allerdings, ob die Auswahl der Autoren nicht besser getroffen werden hätte können.
Besonders den medizinischen Artikeln merkt man an, wer das beabsichtigte Zielpublikum ist: Kollegen aus den gleichen oder benachbarten Fachgebieten, also Psychologen, Juristen, Mediziner. Doch auch für Laien sind viele Artikel verständlich und lesenswert, wenn man bereits über einen kleinen „Grundwortschatz“ verfügt, sind sogar die medizinischen Beiträge lesbar und höchst interessant.
Manchmal ist man dennoch etwas enttäuscht über die geringe Tiefe einiger Beiträge. Hier muss man sich aber klar machen, dass das Buch einen Überblick darstellen soll, und daher nicht alle Eventualitäten und möglichen Probleme darstellen kann.
Fazit: Ein guter aktueller Überblick über Transsexualität, beleuchtet nicht nur von der medizinischen Seite her, sondern durchaus auch mal in ungewohnter Ausführlichkeit aus psychologischer und juristischer Sicht. Es wird zwar klar das Zielpublikum Juristen, Psychologen und Mediziner bedient, jedoch bildet das Buch auch für einen mit Vorwissen versehenen Laien eine höchst interessante Lektüre.
taschenbuch, 162 seiten (2004)
haworth medical press, new york
ISBN 0-7890-2576-0
(englisch)
fachbuch
psychologie, soziologie
kommentar
Wie der Titel schon sagt: Es geht um Transgender und das Buch ist für behandelnde Menschen geschrieben. Das heißt: für die “Profis”, die Diagnosen stellen und Therapien an Transgender durchführen müssen. Dabei wird erfreulicherweise kein Rundumschlag versucht, bei dem - wieder einmal - bei historischen Aspekten angefangen wird, danach dann alle medizinischen und therapeutischen Möglichkeiten... bla bla bla. Nein, hier werden ganz klare, definierte Aspekte betrachtet. Mal mehr, mal weniger wissenschaftlich durch Statistiken und Zahlen belegt, mal mehr, mal gar nicht aus eigener persönlicher Transgender-Erfahrung geplaudert.
Interessant für mich als Transmann ist gleich das erste Kapitel: “Sexual TNT: A Transman Tells the Truth About Testosterone” - auch wenn ich mit den dargestellten “Wahrheiten” aus eigener Erfahrung nicht ganz übereinstimme.
Auch Aaron H. Devor’s 14-Stufen-Modell der transsexuellen Individuation ist mittlerweile weltweit anerkannt.
Ebenso interessant, da - soweit ich weiß - bisher noch nie in dieser Ausführlichkeit wissenschaftlich untersucht: Welche Risikofaktoren und welche “beschützenden Faktoren” gibt es für Kinder von transgender Menschen? Oder anders: wann ist es günstig, “es” den Kindern zu sagen, wann eher nicht?
Mein Fazit: Man muss des Englischen schon mächtig sein, um dieses Buch zu schaffen: Sehr viele Fremdwörter aus der Psychologie und Geschlechterforschung - wahrscheinlich ist selbst für Englischsprachige das Buch ganz schön schwer. Dennoch lohnt sich die Lektüre, zumindest einzelner Kapitel, da hinter den wissenschaftlichen Beschreibungen durchaus konkrete hilfreiche Tipps auch für Transgender selbst stecken.
(1989)
columbus book ltd., london
isbn 0-86287-872-1
(english)
biografie, transmann (fzm)
kommentar
Es ist beeindruckend, was Michael Dillon da fertig brachte. Mitten im konservativen England, geboren in einer Adelsfamilie, großgezogen von verstaubten jungfräulichen Tanten, ist er der erste Transmann Englands, ja wahrscheinlich der Welt, welcher sich den kompletten geschlechtsan-gleichenden Operationen unterzieht. Für heutige Gemüter so gut wie unvorstellbar, schildert Liz Hodgkinson die Umstände und die Vorgehens-weise von Michael Dillon, wie er seine Kindheit verbrachte, die Jugendzeit durchlitt und dann auf verschlungenen Pfaden sein Leben meisterte. Die wenigen schwarz-weiß Bilder sind aussagekräftig genug, um den Weg Dillons zu dokumentieren.
Glücklicherweise werden nicht so sehr medizinische Details in den Fokus genommen, sondern die Lebensumstände, unter welchen Michael zu sich selbst findet. Für so manchen Leser bieten sich etliche Parallelen zum eigenen heutigen Leben - eine Bereicherung, ist man doch selbst oft der Meinung, dass heute alles besser sei.
Schade, dass es dieses Buch bisher noch nicht in einer deutschen Übersetzung gibt - ebenso, wie Liz Hodgkinson wohl bei der Recherche auf keinerlei Hilfe von Seiten Michael Dillons Familie hoffen durfte. Zu sehr verdrängte die Umwelt die Existenz des Bruders und Neffen Michael Dillon.
Ernüchternd ist auch das Leben Michael Dillons - fast scheint es, dass Michael zwar seine Transsexualität meisterte, seine Schwierigkeiten mit sich selbst aber keine Linderung erfuhren. So wird wiederholt beispielsweise wiederholt die emotionale Ferne und Einsamkeit dargestellt, ebenso die ständig Suche nach dem Sinn des Lebens.
Insgesamt ein lesenswertes Buch, welches bisher leider nur in englischer Sprache verfügbar ist. Informationen findet man hier nicht, sondern die Beschreibung des Lebensweges, der zu seiner Zeit mehr als außergewöhnlich war.
taschenbuch - 224 Seiten (2002)
circlet press
isbn 1885865406
(englisch)
erotische geschichten, transgender
kommentar
Wow - welch ein Buch! Lange vermisst, im Internet ab und zu aufgetaucht, präsentieren sich hier erotische Geschichten rund um das Thema Transgender. Vorgestellt wird Erotik quer durch das gesamte Trans*-Spektrum - und somit sind auch einige anregende Geschichten dabei, welche sich mit Transmännern beschäftigen.
Da ist beispielsweise Andy, der zusammen mit seinem Freund Eric Cruisen geht und dabei einen echten Treffer landet. Oder Buzzy, der Pinkeye Ric verführt und sich um sein entzündetes Auge eine feuchten Kehrricht schert. Oder darf es ein Wild Ride auf dem Motorrad sein?
Alle Geschichten sind sehr ansprechend und von hoher Qualität - nur leider in Englisch. Man muss der Sprache, und speziell der erotischen Sprache schon mächtig sein, um entspannt lesen zu können und alle Nuancen zu verstehen. Verfügt man jedoch über diese Fähigkeit bleibt mir als Kritiker nur noch eines zu sagen: Viel Spass damit!
taschenbuch (1996)
cleis press
isbn 1-57344-062-0
(englisch)
fotografien, portraits, transmänner (fzm)
kommentar
Welch ein Buch!
Durch die Mischung aus Selbstdarstellung, Portraitierung anderer Transmänner und Beschreibung von operativen Möglichkeiten ist sowohl für Transmänner als auch für Nicht-Transmänner ein Buch voller Abwechslung geboten.
Loren Cameron erzählt von sich selbst, seinem Werdegang, wie er sich fühlt, seinen Träumen und Enttäuschungen, seinen Erfahrungen. Nicht nur die englischen Texte sind bewegend; vor allem jedes der schwarzweissen Fotos reisst uns mit in das Auf und Ab der Emotionen.
Doch gleich darauf macht uns Loren Cameron wieder Mut: in mehreren Kapiteln zeigt er, dass kein Transmann wie der andere ist, dass jeder seinen eigenen Weg geht, dass Trans viele Gesichter und Ausdrucksmöglichkeiten hat.
Beeindruckend und mutig auch der Abschnitt, in welchem Vorher-Nachher-Fotos zu sehen sind.
Informativ und für einige erschreckend ist sicherlich das Kapitel, in welchem Ergebnisse von geschlechtsangleichenden Operationen gezeigt werden. Doch auch hier ist - kennt man Fotos von eher nicht gelungenen Operationen - die Betonung eindeutig auf Mutmachen und Aufzeigen der Vielfalt an Möglichkeiten, bes. was den Genitalbereich anbelangt.
Beendet wird das Buch durch ein Kapitel, welches Loren Cameron und Kayt in ihrer gemeinsamen Beziehung portraitiert.
Insgesamt hat Loren Cameron mit der Body Alchemy einen Klassiker geschaffen, der nicht nur für Transmänner selbst geeignet ist. Die sehr guten schwarzweiss-Fotos sind ausdrucksstark und dennoch nicht vertuschend. Die Texte sind zwar in Englisch, jedoch nehmen sie nur etwa 50 Prozent des Buches ein. Die Fotos sind sehenswert für jedermann und benötigen in den wenigsten Fällen die Erläuterung durch den Text.
Meiner Meinung nach sollte sich jeder dieses Buch zumindest einmal mit Muße durchblättern - es lohnt sich auf jeden Fall!
book on demand - 411 seiten (2001)
bod, norderstedt
isbn 3-8311-2590-2
biografie, transmann (fzm)
kommentar
Felix Fink ist ein Transmann wie du und ich - das ist für mich die Essenz aus der Lektüre der über 400 Seiten Autobiographie.
Das Buch beginnt mit einer Situation, welche etliche von uns so ähnliich auch bereits durchmachten: wir wissen, dass wir trans sind, gefangen in unserem eigenen körper, können aber nichts tun, da uns eine bestimmte Tatsache behindert. Unter der Last dieser Erkenntnis drohen wir zu zerbrechen. Doch dann kommt ein wichtiger Informationsfetzen hinzu, eine Lösung bahnt sich an - und das Leben geht endlich los!
Nach den ersten Seiten springt der Autor an den Beginn seiner chronologischen Autobiographie - wo er aufwuchs, unter welchen Umständen, ob er dabei glücklich war, was er erlebte. Die "glückliche, androgyne Jugend" geht über in "die kastrierte Jugend", bin hin zu "der Kampf beginnt". Spätestens ab diesem dritten Kapitel findet sich jeder Transmann in Teilen wieder - zu bekannt sind die mit dem Umstieg einhergehenden Erlebnisse, Gefühle und Gedanken. Doch das heisst nicht, dass das Buch nur Bekanntes verkündet. Nein! Felix Fink schreibt in seiner verständlichen und lebendigen Art von sich selbst, und fesselt damit nicht nur Leser aus der Transgender-Community, sondern auch Interessierte, welche keinen direkten Bezug zu Transgendern haben.
Leider endet das Buch mit dem erfolgten Penoidaufbau - bis auf einen kleinen "Anhang", in welchem er beschreibt, wie er seine Frau fürs Leben gefunden hat. Das dürfte daran liegen, dass die letzte OP, ein Implantataustausch, erst 1999 erfolgte. Dennoch - der Penoidaufbau wurde breits 1991 gemacht, die Korrekturen 1993 und 1997. Besonders für Leser, welche sich dafür interessieren, ob "es die Sache wert ist", ob man damit tatsächlich eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität erreicht, wie man mit den Problemen nach dem Umstieg (die es zweifelsfrei gibt) fertig wird, endet das Buch quasi auf dreiviertel der Strecke. Ein Teil der Fragen wird bereits durch die Tendenz der Entwicklung des Autors beantwortet - somit ist das Buch nicht nur für Leser geeignet, welche keine oder nur wenig Ahnung vom Leben eines Transidenten haben. Ihnen fällt es wahrscheinlich nur etwas schwerer, dem Buch inhaltlich zu folgen, da ihnen der fachliche background fehlt.
Meine persönliche Menung zu diesem Buch ist geteilt: Einerseits finde ich es gelungen, da ein stinknormaler Transmann beschrieben wird, welcher weder eine schwere Kindheit hatte noch von anderweitigen Interessen her einer Randgruppe zuzuordnen wäre. Auch sind die Informationen, welche völlig natürlich nebenher einfließen, ausreichend für jemanden, der auf der Suche ist. (Zu meiner Freude wird auch der Transmann e.V. als Anlaufstelle erwähnt.) Das Buch ist leicht lesbar, lebendig geschrieben und in seinen Ausmaßen noch zumutbar.
Andererseits bedaure ich eben die Abruptheit, mit der das Buch endet - gerne hätte ich noch ein wenig mehr vom "Leben danach" erfahren. In der Gesamtheit überwiegt der positive Eindruck von "Sein und Nichtsein" bei weitem - meiner Meinung nach ein empfehlenswertes zeitgenössisches Buch!
taschenbuch - 88 seiten (2000)
konkursbuch, tübingen
isbn 3-88769-162-8
fotoband
drag king ... femme
kommentar
Bridge Markland ist eine aussergewöhnliche Person - und ebenso ist das Buch, das sie porträtiert.
Mehrere Fotografen, unter ihnen auch Uwe Hesse aus Berlin oder Maje Waldo aus New York, bringen dem Betrachter diese Persönlichkeit in all ihrer Farbigkeit und Vielfältigkeit näher. Mal blickt einem Bridge Markland nackt knieend von einem Schwarz-Weiß-Foto ernst entgegen, dann wieder mimt sie eine rothaarige Femme in grünem Kleid, mal verzieht sie ihr kontrastreich geschminktes Gesicht zu einer Fratze, dann wieder klebt sie sich einen Bart an oder zieht sich gentleman-like einen Nadelstreifenanzug an. Die Gegensätze könnten nicht größer sein und doch ist es jedes Mal ein Porträt von Bridge Markland.
Bridge Markland ist ein lebendes Kunstwerk, das steht fest. Mit diesem Fotoband werden vor allem die Personen dargestellt, die sie selbst auf die Bühne bringt: Kunstpersonen, künstliche Personen, die in ihrer Überzogenheit plakativ wirken, und doch Vertrautes beinhalten - persönliche Kunst. Wer kennt nicht die staubsaugende Hausfrau oder den Geschäftsmann im Anzug? Bridge spielt mit den Rollen, auch mit den Geschlechtsrollen, den Klischees, den vorgefassten Bildern - und hält sie einem wie einen Spiegel vor.
Ich persönlich konnte zu Anfang mit diesem Fotoband nichts anfangen - seit mehr als einem Jahr habe ich immer wieder in der Buchhandlung dieses Buch in den Händen gehalten und dann doch wieder weggelegt. Nun habe ich es mir gekauft, mich darin vertieft - und es nicht bereut. Kein zu langer Text, sondern nur eine kurze Einleitung und am Ende eine knappe Biographie, jeweils in Deutsch, Englisch und Französisch - und dazwischen eine Menge vielsagender Fotografien, die im Endeffekt keiner Erklärung bedürfen. Schwere Kost, die immer und immer wieder Neues zu Tage fördert. Ich bin mir sicher, dass auch in zwei Jahren noch das eine oder andere Bild mir neue Erkenntnisse bringt.
Eine Porträtierung soll dem Betrachter die Person näher bringen, erklären, wer sie ist, was sie tut. Doch Bridge Markland ist nicht zu fassen, zu wenig weiss man, ob das Foto nun sie selbst oder eine ihrer Rollen darstellt. Oder stellt sie mich als Betrachter dar? - Die Antwort fällt schwer - doch muss man das beantworten? Ist Bridge Markland nicht einfach ein genialer Drag King?
das projekt unterstützt den partnervertrag des Transmann e.V. mit Amazon.de., einnahmen fließen direkt dem Transmann e.V. zu und dienen der finanzierung aller der webangebote der domain transmann.de.
letzte änderung: 09.04.2010