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Adrian, Norwegen

 

kommentare zu büchern

elsa almås, esben esther pirelli benestad:
kjønn i bevegelse.

(zu dt.: geschlecht in bewegung.)

272 seiten (2001)
universitetsforlaget
isbn: 82-15-00076-2

(norwegisch)
sachbuch
gender studies

kommentar

Die Benestad / Almås kennen das Thema von beiden Seiten. Zum einen haben sie einen Hintergrund als Psychologe bzw. Arzt, Familientherapeut und Sexologe, der den Texten anzumerken ist. Andererseits fliessen auch Esben Esthers eigene Biographie (als einer der bekanntesten Transvestiten Norwegens, eine sehr respektierte Fachperson auf dem Gebiet und im Film "Alles über meinen Vater" seines/ihres Sohns verewigt) und die umfangreichen Erfahrungen, Erlebnisse etc. beider mit "Transpersonen" ein. Obwohl der Inhalt einiger Kapitel z.T. recht "wissenschaftlich" ist, so schaffen es die Autoren daher, durchgängig sehr verständlich und vor allem lebendig zu schreiben und trotzdem auf dem Teppich zu bleiben. Sie zeigen u.a. auf, welche Vielfalt es auf verschiedenen "Ebenen" (Körper, Orientierung, Identitätsempfinden etc. etc., sie arbeiten mit einem 7-Ebenen-Modell) geben kann und untermauern dies mit wissenschaftlichen Begründungen und selbst erlebten Anekdoten. Untermalt wird das ganze von ganzseitigen Schwarz/Weiss-Fotos, die - kommentarlos - Gesichter von vor allem "Transpersonen" zeigen.
Alles in allem ein recht lesenswertes Buch - es bleibt zu hoffen, dass es bald irgendwann mal den Sprung aus dem norwegischen Sprachraum heraus schafft...

 

jan-erik ebbestad hansen, kari møller:
kjønn og androgynitet.

(zu dt.: geschlecht und androgynität.)

gebundene ausgabe - 238 seiten (2001)
gyldendal fakta
isbn 82-05-27640-4

(norwegisch)
sachbuch
gender studies

kommentar

Die Autoren betrachten Androgynität aus verschiedensten Winkeln wie z.B.:

Das Buch enthält viele illustrierende und vertiefende Fotos und Bilder und ein umfangreiches Literaturverzeichnis.

Grösstenteils ist es recht flüssig und interessant lesbar, aber z.B. den Abschnitt über die Sicht der Religionen fand ich teilweise sehr ins Detail gehend und daher immer langweiliger zu lesen (besonders für einen Atheisten wie mich), ich glaube, das Ende habe ich übersprungen.
Der ziemlich kurze Abschnitt über trans* sieht nicht nach tiefer Recherche aus. Zum einen behaupten sie z.B., dass in der Vergangenheit die meisten Transgender FTM gewesen seien, andererseits meinen sie, dass es viel weniger FTM als MTF gebe. Auch ihre Informationen über TS in Norwegen sind z.T. veraltet und fehlerhaft.
Ausserdem erscheint mir besonders ihre Idee vom Zusammenbruch der Geschlechtergrenzen und der allgemeinen Hinwendung zur Androgynität viel zu blauäugig (optimistisch?) und verallgemeinernd aus westlicher Sicht geschrieben. Ein Wunschdenken, das als Realität verkauft wird? Ein Luftschloss? Ein extrem starker Glaube an persönliche Freiheiten, von denen sie behaupten, *jeder* besitze sie. Stammt dies aus einer Euphorie darüber, dass in der westlichen industrialisierten Welt bestimmte Normen am Verschwinden sind? Dies kann man nicht ohne weiteres auf die ganze Welt verallgemeinern... Ich bezweifle, dass *alle* Menschen plötzlich gern & frei das Geschlecht wählen, das ihnen gerade passend erscheint. Das wird wohl auch weiterhin nur in verschiedenen Bevölkerungsgruppen geschehen, besonders in sog. liberalen Industrieländern.

Insgesamt hinterlässt das Buch bei mir also einen geteilten Eindruck: einerseits wird eine umfassende Menge an Informationen zum Begriff der Androgynität auf verschiedensten Gebieten geboten, aber andererseits liegt über vielem ein rosaroter Schimmer idealistischen unkritischen Wunschdenkens. Und ob man Madonna nun wirklich als Geschlechtsrollen sprengend bezeichnen kann, weil sie im Schottenrock auftrat...???

erklärungen

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feedback

letzte änderung: 12.07.2005