taschenbuch - 157 seiten (mai 1977)
rowolt taschenbuch verlag, reinbek
isbn 3-499-50253-4
historikerarbeit,
mit selbstzeugnissen und bilddokumenten
kein roman und auch nicht trans-geschichtsschreibung sondern die arbeit eines historikers, die fakten zusammenträgt, bestimmten auslegungen andere fakten gegenüberstellt und selbst zurückhaltend ist mit wertungen. so werden auch die leserinnen darin geübt, kritisch zu sein gegenüber faktensammlungen, die das ziel verfolgen, eine bestimmte interpretation zu belegen.
ob jeanne d' arc nun transgender war oder nicht, das ist diesem buch nicht zuentnehmen. mensch mache sich sein bild selbst aus zahlreichen nacherzählungen und zitaten aus niederschriften aus den vernehmungsprotokollen und lese mit der hier eingeübten skepsis z.b. das geschichtsbuch von leslie feinberg "transgender warriors: making history from joan of arc to dennis rodman."
seite 102:
Drei Tage nach ihrem Widerruf, am 27. Mai, erhielt Cauchon die Meldung, die Angeklagte sei rückfällig geworden und habe ihre Männerkleidung wieder angelegt, die man, vielleicht aus Berechnung, in ihrem Gefängnis gelassen hatte. Als der Bischof mit anderen Richtern am nächsten Tag in ihre Zelle kam, zeigte ihr verweintes gesicht Spuren von Mißhandlung. Nach einigen Berichten habe sie sich über Gewalttätigkeiten ihrer Wächter beklagt, die sie zu vergewaltigen versucht hätten, so daß sie zu ihrem Schutz wieder Wams, Hose und Stiefel angezogen habe. So jedenfalls stellte es sich in den späteren Aussagen des Notars Manchon und zweier geistlicher dar, die insofern nicht ganz unglaubwürdig sind, als Johanna sich schon früher über Versuche, ihr Gewalt anzutun, beschwert hatte. Jedoch lag für sie hier nicht der einzige Grund dafür, daß sie wieder die Männerkleidung angezogen hatte. Denn auf Cauchons empörte Frage "Was soll das heißen?" antwortete sie: Ich trage sie lieber als Frauenkleidung. Es ist auch schicklicher, solange ich unter Männern bin. Außerdem habe ich sie angezogen, weil Ihr Euer Versprechen nicht gehalten habt. Ich sollte zur Messe gehen und den Leib Christi empfangen dürfen und sollte aus dem Eisen befreit werden. Ich will lieber sterben, als weiter in Fesseln bleiben.
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letzte änderung: 22.01.2007